Wer kennt ihn nicht, den Wachtmeister Studer? Der fast schwerfällig wirkende Studer, ständig unterschätzt von den Bösen, mit seinem beinahe instinktiven Gespür für das Verbrechen. Die berühmte Detektivgestalt des Schweizer Autors Friedrich Glauser (1896 bis 1938). Der feinfühlige Schriftsteller machte aber nicht nur auf Grund seiner wohl bekanntesten Romanfigur Reden, sondern auch wegen seines nicht ungewöhnlichen Lebenslaufes: Morphiumsucht, Verhaftungen, Selbstmordversuche. Er selbst beschreibt ihn in einem Brief wie folgt: "Daten wollen Sie? Also: 1896 geboren in Wien von österreichischer Mutter und Schweizer Vater. Grossvater väterlicherseits Goldgräber in Kalifornien (sans blague), mütterlicherseits Hofrat (schöne Mischung, wie?). Volksschule, 3 Klassen Gymnasium in Wien. Dann 3 Jahre Landerziehungsheim Glarisegg. Dann 3 Jahre Collège de Genève. Dort kurz vor der Matura hinausgeschmissen... Kantonale Matura in Zürich. 1 Semester Chemie. Dann Dadaismus. Vater wollte mich internieren lassen und unter Vormundschaft stellen. Flucht nach Genf ... 1 Jahr (1919) in Münsingen interniert. Flucht von dort. 1 Jahr Ascona. Verhaftung wegen Morphium. Rücktransport. 3 Monate Burghölzli (Gegenexpertise, weil Genf mich für schizophren erklärt hatte). 1921–23 Fremdenlegion. Dann Paris Plongeur. Belgien Kohlengruben. Später in Charleroi Krankenwärter. Wieder Morphium. Internierung in Belgien. Rücktransport in die Schweiz. 1 Jahr administrativ Witzwil. Nachher 1 Jahr Handlanger in einer Baumschule. Analyse (1 Jahr) ... Als Gärtner nach Basel, dann nach Winterthur. In dieser Zeit den Legionsroman geschrieben (1928/29), 30/31 Jahreskurs Gartenbauschule Oeschberg. Juli 31 Nachanalyse. Jänner 32 bis Juli 32 Paris als ‹freier Schriftsteller› (wie man so schön sagt). Zum Besuch meines Vaters nach Mannheim. Dort wegen falschen Rezepten arretiert. Rücktransport in die Schweiz. Von Juli 32 – Mai 36 interniert. Et puis voilà. Ce n'est pas très beau ...“.
Während des Ascona-Jahres lebte Glauser zusammen mit seiner Freundin Elisabeth von Ruckteschell in einer alten Mühle, der „Mulino del Brumo“, zwischen Arcegno und Ronco s/Ascona. In dieser Mühle wohnte später übrigens Hermann Hesses Sohn Heinrich bis zu seinem Tod. Einige Meter von besagter Mühle entfernt führt ein gut begehbarer Waldweg hinunter nach Ascona. Vorbei am Vitaparcours, vorbei an lustigen Holzskulpturen aus der mystischen Welt, über den bekannten Monte Verità, die „Colina“ hinunter, dem heiß begehrten Sonnenhügel oberhalb von Ascona. Wer wünscht sich nicht, hier zu wohnen? In Fussdistanz vom pittoresken alten Dorfkern von Ascona entfernt, inmitten der prächtigen Villen mit fantastischer Panoramasicht auf den Lago Maggiore?
Als Gedenken zu Glausers 70. Todestag ist vor wenigen Wochen das Buch „Friedrich Glauser, Man kann sehr schön mit Dir schweigen, Briefe an Elisabeth von Ruckteschell und die Asconeser Freunde, 1919-1932“ bei Nimbus erschienen.
Quelle: www.starck.ch , www.wikipedia.org
Posted By: Claudia Starck







