Kann für eine Liegenschaft auf dem Markt kein geeigneter Käufer gefunden werden, so stellt dies für alle Beteiligten meistens eine durchaus unangenehme Situation dar.
Der Verkäufer ist nicht zum Ziel gekommen. Er “sitzt” nachwievor nicht nur auf seiner Liegenschaft sondern auch auf den damit verbundenen Kosten. Typische Haltungskosten sind Hypothekarzinszahlungen, Unterhalts- und Bewirtschaftungskosten verschiedenster Art, Steuern und Abgaben, Opportunitätskosten (gebundenes Kapital).
Auch der Nicht-Käufer ist nicht zum Ziel gekommen. Er hat kein neues Zuhause gefunden und/oder keine Liegenschaft, um seine Ferien zu verbringen.
Der Makler? Auch er steht mit leeren Händen da. Insbesondere für Broker welche wie WETAG CONSULTING ausschliesslich auf Erfolgsbasis operieren, bedeutet ein nicht verkauftes Objekt nicht nur eine verpasste Zielerfüllung, sondern auch ein reales Verlustgeschäft.
Die Liegenschaft selber trägt in der Regel leider auch keinen Nutzen aus einer nicht erfolgten Transaktion. Liegenschaften leiden darunter nicht bewohnt zu sein - noch mehr leiden sie, wenn nicht allermindestens regelmässig gelüftet und die nötigsten Unterhaltsarbeiten geleistet werden.
Auch das wirtschaftliche Umfeld leidet fast immer darunter, wenn kein Besitzerwechsel stattfindet. Dem Staat entgeht die Grundstücksgewinnsteuer. Baufirmen bekommen keine Aufträge zu Unterhalt/Renovation oder Abriss und Neuerstellung.
Die zentrale Frage welche natürlich an diesem Punkt auf der Hand liegt ist: warum kommt es zu keiner Transaktion? Selbstverständlich können auf den ersten Blick die Gründe eines Nichtverkaufes einer Liegenschaft vielfältig sein. Klar aber ist, dass man mit einer fairen Preisgestaltung die Verkaufswahrscheinlichkeit massiv erhöhen kann. Extrembeispiele verdeutlichen diese Idee: ist der Preis einer Liegenschaft nahe bei Null, so wird Sie sofort verkauft. Ist der Preis extrem hoch so wird Sie vermutlich auch nach vielen Jahren noch keinen Käufer gefunden haben.
Die Kunst eines effektiven “Pricings” besteht nun gerade darin, sämtliche Vor- und Nachteile - natürlich unter Mitberücksichtigung der zur Verfügung stehenden Verkaufsdauer - in Geldbeträge umwandeln zu können. Das “monetisieren” von spezifischen Lagekomponenten wie Ruhe oder Besonnung oder intersubjektiv wahrnehmbaren objekt- oder umfeldbezogenen Qualitäten (wie z.B. den Charme einer Umgebung oder die Güte einer Architektur) ist dabei sicherlich nicht immer einfach aber keineswegs unmöglich.
Es ist verständlich, dass ein Verkäufer seinen Verkaufserlös möglichst optimieren möchte. So kann es angebracht sein, zu Beginn des Verkaufsprozesses einen stolzen aber immernoch rational begründbaren Preis für die Liegenschaft zu fordern, um zu prüfen, ob auf dem Markt nicht jemand gefunden werden kann, der bereit ist die Vorzüge der Liegenschaft sehr grosszügig zu honorieren.
Ebenso klug ist aber, bei schwachem oder in extremen Fällen ganz ausbleibendem Echo seitens der Interessentenschaft, spätestens nach einem Jahr den Angebotspreis auf ein Niveau zu senken, welches auf dem Markt ein reales Kaufinteresse nach dem Objekt zu wecken vermag.
Leider mussten wir bei WETAG CONSULTING in den letzten Jahren die Erfahrung machen, dass immer mehr Verkäufer eine doch recht ausgeprägte “Gewinngier” entwickelt haben und Ihnen der Sinn für am Markt real durchsetzbare Preisvorstellungen scheinbar ziemlich abhandengekommen ist. Glücklicherweise konnten bisher diese überdimensionierten Erwartungen dank der im Vergleich zu anderen Agenturen höheren Professionalität und Transparenz gut im Zaume gehalten werden.
Wagt man einen kurzen Ausblick auf das Jahr 2010, so kommt man jedoch nicht umhin die realen oder potentiellen Verkäufer abermals zur Vorsicht zu mahnen. Das Preisniveau des lokalen Liegenschaftsmarktes verläuft aktuell seitwärts bis leicht sinkend, Ausnahmen bilden nur die absoluten Bestlagen.
Überhöhte Preisvorstellungen scheinen nur dann rechtfertigbar, wenn man kurzfristig mit einem hyperinflationären Totalzusammenbruch des Papiergeldsystemes rechnet, also mit einer Welt, in der nur noch physische Assets wie Gold, Rohstoffe und Immobilien überhaupt einen Wert darstellen. In so einem Falle kann man den überhöhten Preis als die Forderung nach Zahlung einer Risikoprämie verstehen, welche das beschleunigte Inflationsrisiko beim Tausch einer sicheren Anlage gegen Papiergeld ausgleichen soll. Kurz- bis Mittelfristig scheint dieses Szenario jedoch eher unwahrscheinlich.
Wahrscheinlicher scheint, dass der früher oder später zwangsläufig einsetzende Zinserhöhungszyklus ausgeprägt sein wird.
In Kombination mit einer sich nicht sonderlich gut entwickelnden Realwirtschaft & schleppenden Finanzmärkten, führt dies zur Schlussfolgerung, dass der finanzielle Gesamtspielraum der potentiellen Käufer weiter eingeschränkt sein wird oder zumindest - ähnlich wie während der Finanzkrise 2008/2009 geschehen - deren Preis- & Risikobewusstsein entsprechend geschärft werden wird. Vorsicht ist das Gebot der Stunde.
Verfasst von Bendicht Tschannen, Head of Sales - Locarno